Stadt Wilhelmshaven

Zentralkläranlage setzt auf Strom und Wärme aus Blockheizkraftwerk

Städte und Gemeinden sind mit ihren Gebäuden und Einrichtungen sehr große Energieverbraucher. Speziell Kläranlagen sind für einen Großteil des Stromverbrauchs verantwortlich. Der städtische Eigenbetrieb TBW ist dieses Problem angegangen und nutzt nun Klär- und Deponiegas, um den eigenen Strom- und Wärmebedarf der Kläranlage zum großen Teil selbst decken. TBW hat am Standort der Zentralkläranlage Wilhelmshaven (ZKA) eine Energiezentrale mit zwei Blockheizkraftwerk-Modulen (BHKW) zur Strom- und Wärmeerzeugung gebaut. Durch die BHKWs wird eine Eigenstromquote von 79 Prozent erreicht. Dies ist ein Schritt in Richtung einer energieautarken Kläranlage. Die jährlichen Treibhausgasemissionen werden um rund 1.654 Tonnen CO2-Äquivalente reduziert. TBW reduziert somit die kommunal beeinflussten klimaschädlichen Treibhausemissionen nachhaltig, entlastet die Umwelt und trägt zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele der von der Bundesregierung beschlossenen Energiewende bei.

Grundsätzlich ist ein Blockheizkraftwerk eine Anlage zur Gewinnung elektrischer Energie und Wärme. Dieses geschieht auf der Kläranlage in Wilhelmshaven durch den Einsatz regenerativer Energien. TBW betreibt auf der ZKA eine Schlammfaulung. Die Schlammfaulung ist eine anaerobe Schlammstabilisierung, bei der Schlamm ohne Sauerstoff unter Mitwirkung verschiedener Bakterien "ausgefault" wird - Bakterien bauen also die verfügbaren Nährstoffe im Schlamm ab. Das aus der Schlammfaulung gewonnene Klärgas besteht zu einem großen Anteil aus Methan. Da ein ähnlicher Faulungsprozess auch im Deponiekörper der stillgelegten Deponie auf dem Heppenser Groden abläuft und die Entfernung zur Zentralkläranlage nur circa 1.300 Meter beträgt, lässt sich das dort entstehende Deponiegas mit geringem Aufwand zur ZKA fördern. Beide Gase werden gemischt und für den Betrieb der BHKW-Motoren genutzt. Die aus dem Betrieb erzeugte Abwärme wird wiederum für die Aufheizung des Faulprozesses in der Schlammfaulung genutzt.

Auf dem Gelände der ZKA entstand auf einer drei Meter breiten Betonpflasterfläche südlich der Schlammfaulung das BHKW. Ein monolithisch hergestellter Kabelkeller aus Stahlbeton, eine Sohle und 30 Zentimeter dicke Außenwände, die Kalksandsteinplanelementen und umlaufendem Stahlbetonringanker – das BHKW besteht aus zwei Gasmotoren mit je 250 Kilowatt elektrischer und 320 Kilowatt thermischer Leistung. Auch die notwendige Steuerungstechnik, eine neue Mittelspannungsanlage für die Kläranlage und ein Netzersatzaggregat sind enthalten. Die Fassade selber ist mit einer Luftschicht aus Verblendmauerwerk versehen. Die bebaute Fläche wird über eine begrünte Böschung an das Gelände der ZKA angepasst. Die Außenanlage besteht aus einem großen betonierten Abfüllplatz mit mittig liegendem Abfluss. Die Maßnahme ist durch Mittel der Europäischen Union und des Landes Niedersachsen unterstützt. Die Zuschusshöhe beträgt rund 1,64 Millionen Euro. Die Gesamtkosten belaufen sich auf gut 4,5 Millionen Euro.







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