Voslapper Groden
Was ist auf dem Voslapper Groden geplant?
Mit dem Bebauungsplan 225 werden derzeit die Weichen für die industrielle Entwicklung des Voslapper Grodens Nord gestellt. Geplant ist, dass sich zwischen der bestehenden Raffinerie und dem PVC-Werk weitere Industrien ansiedeln können, die ihren Beitrag zum Gelingen der Umrüstung der Energieversorgung leisten werden. Ganz konkret hat ein Unternehmen Interesse bekundet, hier einen Wasserstoffpark zu errichten.
Welcher Bereich ist betroffen?
Der Voslapper Groden ist in den Jahren 1973/74 durch die Eindeichung von Teilen des Wattengebietes bei Wilhelmshaven und die anschließende Aufspülung mit Seesand entstanden. Bis 1979 wurden Teilbereiche als Spülfläche genutzt. Das Gebiet des heutigen Naturschutzgebietes liegt im nördlichen Bereich des nördlichen Voslapper Grodens und umfasst eine bisherige Freifläche zwischen dem Betriebsgelände der HES Wilhelmshaven Tank Terminal GmbH (HWTT) und Vynova Wilhelmshaven GmbH. Es wird östlich von der Straße „Am Tiefen Fahrwasser" bzw. den Neuen Voslapper Seedeich begrenzt und westlich von der 2. Deichlinie des Inhauser Deiches.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich auf dieser Fläche ein wahres Mosaik verschiedener Biotoptypen entwickelt. Bestimmend sind heute Vegetationskomplexe nasser Dünentäler, ausgedehnte Schilfröhrichte, Kleingewässer und Weidengebüsche. Am Ostrand findet sich Trockenrasen mit artenarmem trockenem Grünland und Ruderalfluren. Nach Westen liegen Bereiche mit differenziertem Bewuchs und sukzessive stärkerem Wassereinfluss. Aufgrund dieser Gegebenheiten nimmt die Bedeutung für die wertbestimmenden Vogelarten zu den zentraleren Bereichen des Gebietes hin zu.
In diesem Gebiet sind seltene und bedrohte Vogelarten zuhause - zum Beispiel die Rohrdommel, das Tüpfelsumpfhuhn und das Blaukehlchen sowie der Rohrschwirl, der Schilfrohrsänger und die Wasserralle.
Wie groß ist die Fläche?
Das Gebiet ist 267 ha groß.
Warum soll die Natur der Industrie weichen?
Der Voslapper Groden wurde bereits in den 70er-Jahren für die Ansiedlung von Industrien ausgewiesen. Da die damals erwarteten bzw. erhofften Unternehmen jedoch nicht nach Wilhelmshaven gekommen sind, hat sich die Natur das Gebiet erobert. Fauna und Flora haben sich prächtig entwickelt, etliche Tierarten hier ihr zuhause gefunden. So kam es, dass sich der Voslapper Groden mittlerweile zu einem Natur- und Vogelschutzgebiet entwickelt hat. Doch mit der bundespolitischen Entscheidung zur Transformation der Energiewirtschaft in den 2020er-Jahren ist das Interesse am Voslapper Groden wieder gestiegen: die ersten Unternehmen möchten hier Flächen erwerben, um sich hier in unmittelbarer Nähe des tiefen Fahrwassers niederzulassen. Diese industrielle Entwicklung ist gut für Deutschland, und die wirtschaftliche wird gut für Wilhelmshaven sein: Mit neuen Arbeitsplätzen und höheren Gewerbesteuereinnahmen will die Stadt maßgeblich von der Entwicklung profitieren, damit die Wohn- und Lebensbedingungen nachhaltig verbessert werden können.
Wird es einen Ersatz für die Natur geben?
Ein ganz klares Ja: Für jeden Quadratmeter, der an ein Unternehmen verkauft wird, werden 1,3 Quadratmeter Grünland zur Kompensation erworben. Zur Ehrlichkeit gehört allerdings dazu, dass diese sogenannten Kompensationsflächen nicht in Wilhelmshaven gekauft wurden, sondern im Umland.
Durch die Betroffenheit eines EU-Vogelschutzgebietes müssen Maßnahmen ergriffen werden, diedie Funktion und Integrität des europäischen Natura2000-Netzes gewährleisten. Das nennt sich Kohärenz.
Zudem löst der Bebauungsplan Eingriffe in die Schutzgüter des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (kurz UVPG) sowie im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes (kurz BNatSchG) aus. Diese werden durch Erfassung des Gebietszustandes und der vorkommenden Arten sowie Zielarten qualitativ wie quantitativ ermittelt.
In Kombination und begleitend zu den Kohärenzplanungen werden auch Kompensationsplanungen zur naturschutzfachlichen Aufwertung von Flächen betrieben. Ein Ausgleich und Ersatz erfolgt also „multifunktional" und deckt vielfältigere Lebensräume ab, als nur das Grünland. Auch der Arten- und Biotopschutz wird in diesem Zusammenhang mitberücksichtigt.
Die 335 ha großen Kohärenzflächen dürfen nicht nur nicht weiterverkauft werden, sondern müssen auch unter Natur- und Umweltgesichtspunkten gepflegt und bewirtschaftet werden. Sichergestellt wird dies durch öffentlich-rechtliche Verträge zugunsten der Stadt Wilhelmshaven. Für die Umsetzung sind u.a. weitere wasserrechtliche Genehmigungsverfahren bei den für die Kohärenz- und Kompensationsflächen zuständigen Behörden und Landkreisen notwendig.
Wozu ist die Offenlegung der Planungsunterlagen erfolgt?
Werden mit der Aufstellung oder Änderung eines Bebauungsplanes die grundlegenden Vorgaben zur Bebauung von Flächen oder Gebieten definiert, ist in Deutschland die Beteiligung der Öffentlichkeit vorgeschrieben – und zwar aus gutem Grund: Schließlich hat die Öffentlichkeit ein großes Interesse daran, was wo gebaut werden darf. Bei der sogenannten Offenlegung kann also jede*r Interessierte die Planungsunterlagen einsehen und sich selbst ein Bild davon machen, was hier künftig passieren soll oder kann. Aber das wichtigste: Jede*r Interessierte kann seine/ihre Bedenken einreichen, die dann bei der Konkretisierung der Planungsunterlagen beachten werden müssen. Ganz wichtige Akteure sind in diesem Zusammenhang die Umwelt- und Naturschutzverbände, Anlieger, Träger öffentlicher Belange sowie die Behörden. Auch sie werden gezielt um Stellungnahmen zu den Planungsunterlagen gebeten, um ihre Expertise in den weiteren Prozess mit einzubringen.
Wann und wo kann man die Unterlagen einsehen?
Die Offenlegung ist bereits abgeschlossen.
Die umfangreichen Unterlagen waren 1. bis 30. September 2025 online unter www.wilhelmshaven.de/Stadtverwaltung/Bauleitplanung zu finden. Wer Hilfestellung oder Unterstützung beim Zurechtfinden in diesem komplexen Werk benötigt hatte, konnte sich in dieser Zeit bei den Sprechstunden im Sitzungszimmer des Technischen Rathauses, Rathausplatz 9, an die Fachleute der Stadt wenden. Sie haben die Unterlagen erläutert, individuelle Fragen beantwortet und bei der Durchsicht der Planungen unterstützt.