Stadt Wilhelmshaven

Jugendkonferenz 2013

1. November 2013, Bürgerhaus Schortens

Seit Jahren steigt die Zahl der jugendlichen Empfänger staatlicher Unterstützungsleistungen mit physischen und/oder psychischen Beeinträchtigungen. Zugleich ist die junge Generation besonders deutlich von Armut betroffen. Die Jugendlichen geraten in einen fatalen Kreislauf: Materielle Armut ist ein erhebliches Gesundheitsrisiko, Krankheit erschwert den Weg aus der Armut. Die überwiegende Mehrzahl dieser jungen Menschen lässt sich kaum in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren, Resignation und oft dauerhafte Abhängigkeit von Transferleistungen sind die Folge.

Im Rahmen der Jugendkonferenz diskutierten knapp 90 Vertreterinnen und Vertreter von Schulen, und Einrichtungen der Jugendsozialarbeit und Jugendberufshilfe sowie aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung die Frage, wie man auf diese Herausforderung reagieren kann und welche Lösungswege es gibt.

In ihrem Impulsreferat betonte Dr. Antje Richter-Kornweitz von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. in Hannover, dass Gesundheit auch „soziales Wohlbefinden“ umfasst. Etwa 20 % der Heranwachsenden unterliegen gesundheitlichen Belastungen, vor allem im psychischen Bereich. Erkennbar sei auch eine Zunahme chronischer Erkrankungen, die mit der jeweiligen sozialen Situation verknüpft sind. Problematisch sei insbesondere das risikofreudige Verhalten vieler Jugendlicher. Generell gelte die Gleichung: geringere Bildungschancen = geringere Gesundheitschancen. Auch in der Region Wilhelmshaven-Friesland seien Jugendliche überproportional von Armut betroffen, mit der Folge schlechterer Ernährung, einer schlechteren Wohnsituation sowie einer schlechteren sozialen Teilhabe. Notwendig seien Interventionen auf drei Ebenen: individuell, familiär und außerfamiliär.

Thomas Mikoteit vom Jobcenter Essen stellte anschließend das Projekt Support 25 zum Thema Jugendarbeitslosigkeit und seelische Gesundheit vor, das eine Vernetzung in das Gesundheitssystem hinein beinhaltet. Die Zusammenarbeit  mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Rheinischen Kliniken Essen (LVR-/Uni-Klinik Duisburg-Essen)  ermöglicht  Diagnosen, die sonst nicht möglich wären.

Eine Podiumsdiskussion mit Praktikern aus der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen beleuchtete die regionalen Strategien und Hilfsangebote und zeigte Perspektiven auf.

In der Stadt Wilhelmshaven gibt es derzeit etwa 500 Jugendliche mit problematischen Perspektiven. Die Gesellschaft für Arbeitsvermittlung und Qualifizierungsförderung e.V. (GAQ) betreut 1.600 Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. In Wilhelmshaven finden sich in dieser Altersgruppe etwa 150 Unversorgte, die durch alle Raster gefallen sind.

Zu stellen sei vor allem die Frage nach den Ressourcen im Bildungssystem. Präventive Interventionen verursachten Kosten, zahlten sich aber durch gesellschaftliche Rendite aus und können helfen, langfristige Abhängigkeiten von Transferzahlungen zu verhindern. Hierbei sei eine gute Vernetzungsstruktur im psychosozialen Bereich ebenso notwendig, wie die Einbindung der Eltern, ohne die es in der Regel nicht gehe.

Veranstalter der Jugendkonferenz sind die Jobcenter Wilhelmshaven und Friesland, organisiert wird die Konferenz durch eine Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaftsförderung, des Pro-Aktiv Centers und des Jugendamtes der Stadt Wilhelmshaven, der Gesellschaft für Arbeitsvermittlung und Qualifizierungsförderung (GAQ) Wilhelmshaven, der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven , der Volkshochschule Wilhelmshaven, des SOS-Hilfeverbundes Wilhelmshaven-Friesland, der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft BeKA sowie der Bildungsregion und des Jugendamtes des Landkreises Friesland.

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