Bibliotheca Wilhelmina Wilhelmshaven
2004 erwarb Dr. Hellmut Strobel aus Rastede die umfangreiche Wilhelminismus-Bibliothek des Berliner Soziologen und Schriftstellers Dr. Nicolaus Sombart und übereignete sie später der Gesellschaft für Wilhelminische Studien e.V. Sie enthält den gesamten Handapparat, den Nicolaus Sombart für seine umfangreichen Wilhelminismus-Studien benötigte.
- Bestandsübersicht der Sombart-Bibliothek (PDF-Dokument)
Derzeit befindet sich die Bibliothek im Stadtarchiv Wilhelmshaven und kann auf Anfrage eingesehen werden. Neben der Bibliothek Nicolaus Sombarts, die Schriften und Buchpublikationen zum gesamten kulturellen Umfeld der Wilhelminischen Epoche enthält, finden sich z.B. auch die Corfu-Papers aus Sombarts Nachlass, die den intensiven Gedankenaustausch mit dem Biografen Wilhelms II. John C. G. Röhl dokumentieren. Die umfangreiche Biographie Wilhelms II. wurde von Nicolaus Sombart angeregt, der sich später allerdings von der einseitig negativen Darstellung Röhls distanzierte. Als Antwort auf Röhls Kaiserbiographie erschien von Sombart 1996 das Buch „Wilhelm II. Sündenbock und Herr der Mitte“, in der er Leben und Werk des Monarchen kulturhistorisch deutete.
Nicolaus Sombart wurde am 10. Mai 1923 in Berlin-Grunewald als Sohn des bekannten Wirtschaftstheoretikers Werner Sombart geboren. Der Vater war über 60 Jahre älter als sein Sohn, und so war für Nicolaus Sombart das 19. Jahrhundert keine ferne Vergangenheit, sondern eine vom Vater vermittelte, sehr reale Welt.
Die Vielfalt der kulturhistorischen Interessen Sombarts spiegelt sich in seiner Wilhelminismus-Bibliothek wider. Sombart, der mütterlicherseits einer rumänischen Adelsfamilie entstammte, hatte eine große Affinität zur französischen Kultur. Als Schriftsteller war er Mitglied der „Gruppe 47“ und mit Alfred Andersch befreundet. In seiner Wohnung in Berlin-Wilmersdorf leuchtete das 19. Jahrhundert in seiner ganzen kulturellen Vielfalt auf. Bereits der Salon seiner Mutter war in den 20er und 30er Jahren in Berlin legendär. Diese Tradition setzte er mit seinem Salon, den er ganz bewusst „Teestunde“ nannte, fort.
Für das 2003 in Wilhelmshaven erschienene Werk von „Wilhelm II. in Wilhelmshaven“ steuerte Nicolaus Sombart einen Essay bei. Der Band „Das Sanssouci Kaiser Wilhelms II., der letzte Deutsche Kaiser, das Achilleion und Korfu“ von Jörg Michael Henneberg wurde von ihm in weiten Bereichen ebenfalls angeregt. Die Erschließung der „Bibliotheca Wilhelmina Wilhelmshaven“- der „technischen Kaiserstadt“, wie er die Jadestadt nannte - durch einen Katalog bildet einen wichtigen Anfang für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Wilhelminismus.
Die Wilhelminismus-Bibliothek wird durch Schenkungen ständig erweitert. Die Gesellschaft für Wilhelminische Studien e.V. erwarb darüber hinaus eine ansehnliche Sammlung historischer Schallplatten aus der Zeit vor dem I. Weltkrieg. Mit der CD „Fackeltanz“ konnte als Veröffentlichung der Gesellschaft für Wilhelminische Studien e.V. dieser Schatz an historischen Tondokumenten einer breiteren Öffentlichkeit erschlossen werden.
Kontakt:
Stadtarchiv Wilhelmshaven
Rathausplatz 10
26382 Wilhelmshaven
Tel.: 04421/16-1443
Fax: 04421/16-1158
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