Wilhelm II. & Wilhelmshaven
Wilhelm II. und Wilhelmshaven hatten eine besondere Beziehung. Zum Staats- und Politikverständnis des Kaisers gehörte eine starke Flotte, Marine und Seefahrt war Wilhelm II. aber auch persönlich eng verbunden. Es war aber nicht die erlebte und erlernte maritime Haltung eines Prinzen Adalbert von Preußen. Wilhelm II. brachte letztlich und nicht nur in dieser Hinsicht vor allem zum Ausdruck, was die bürgerliche Bevölkerung fühlte: Marine- und Flottenbegeisterung. Und nicht zuletzt verkörperte er natürlich auch die Hoffnungen und Ambitionen einer immer stärker werdenden Admiralität.
Mit dem Streben nach Seegeltung und maritimer Aufrüstung war der massive Ausbau der Flotte bis 1914, das Wettrüsten mit England verbunden, das letztlich in der Katastrophe des Ersten Weltkriegs endete.
Die Reisen Kaiser Wilhelms II. waren Teil seines Herrschaftsverständnisses. Sie folgten festen Routinen. Mehr als 50 Wilhelmshaven-Besuche des Kaisers in den knapp 30 Jahren seiner Regentschaft sind nachgewiesen, mindestens einmal, gelegentlich bis zu dreimal pro Jahr, je nach Anlass: Stapelläufe oder Indienststellungen von Schiffen, Flottenmanöver Rekrutenvereidigungen, Denkmalenthüllungen, Ordensverleihungen und vieles andere mehr.
Andere Städte waren politische oder wirtschaftliche Machtzentren, Wilhelmshaven war, wie Nikolaus Sombart es einmal formulierte, die „technische Kaiserstadt“.
Mit dem „Hofzug“ fuhr Wilhelm II. auf dem „Kaisergleis“ vom Bahnhof über den Friedrich-Wilhelm-Platz direkt auf das Werft- und Hafengelände. Im Stationsgebäude am Adalbertplatz war für den Kaiser ständig eine Suite reserviert, von hier aus nahm er bei mehrtägigen Aufenthalten auch die „Regierungsgeschäfte“ wahr. Die Post zum Regieren brachte der „Kabinettsbriefträger“ mit dem Zug aus Berlin.
Wiederholt übte Wilhelm II. unmittelbar Einfluss auf die Entwicklung der Stadt aus und scheute sich auch nicht davor, Entwürfe für Marine-Denkmäler, die ihm grundsätzlich vorzulegen waren, persönlich zu korrigieren. Aus seiner „Privatschatulle“ trug der Kaiser zur Finanzierung von Bauten wie der „Kaiser-Friedrich-Kunsthalle“ - benannt nach seinem Vater Friedrich III. - oder der Banter Kirche bei.


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